Der Mann im Treppenhaus


Es sind viele Jahre vergangen, da war ich noch ein kleines Kind. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern ob ich 8 oder 10 Jahre alt war. Allerdings erinnere ich mich gut daran wie schrecklich es für mich war in dieser unangenehmen Situation, die ich erlebt habe. Die Bilder und die Erinnerungen tauchen immer mal wieder in meinem Kopf auf. Ein Mann stand in einer Ecke mit den Rücken zu mir, er verdeckte mit seinen Handflächen sein Gesicht damit ich ihn nicht sah.

Jedes Wochenende besuchte ich meine Großeltern in Hamburg Tondorf und zufälligerweise an einem Wochenende machte ich eine für mich schreckliche Erfahrung, ich bekam Angst vermischt mit einer Portion Panik. Panik, die ich als Kind, so noch nie erlebt hatte. Es war doch das schöne Wochenende bei meinen Großeltern. Mein Großvater war mein bester Freund und meine Großmutter meine beste Freundin, beide waren echt cool und hatten mich sehr lieb. Meine Großmutter hat für mich gern gekocht und mein Großvater machte mir Geschenke. Da fühlte ich mich immer Sauwohl und sie waren das größte Geschenk für mich. Mein Großvater hatte im Krieg ein Bein verloren und hatte eine Prothese, deshalb kaufte meine Oma das Geschenk für mich.

Meine Großeltern umsorgten mich als wäre ich ihr eigenes Kind. Das heißt nicht das ich bei meinen Eltern und Geschwistern nicht sein wollte. Vielleicht lag es daran, dass ich mich dort wohlfühlen konnte. Meine Geschwister bekamen zuhause mehr Beachtung, weil sie ja auch kleiner waren.

Als mein Großvater starb kümmerte sich meine Oma weiter um mich. Sie konnte sehr gut kochen. Der Tod meines Großvaters war ein großer Verlust, der mich traf. Doch nun mein Erlebnis: Es war ein Samstag, ich besuchte meine Großeltern und an diesem Tag erfuhr ich Angst und Panik, die ich so noch nicht kannte. Ich war gerade mit dem Essen fertig, da sollte ich zu der Telefonzelle unten an der Ecke gehen und meine Mutter anrufen, meine Großeltern hatten kein Telefon.  Ich sollte meiner Mutter mitteilen, dass meine Eltern und Geschwister am Sonntag zum Essen kommen sollen. Was ich vor dem Verlassen der Wohnung und in diesen Augenblick noch nicht wusste, war die plötzliche Begegnung eines Mannes.

Die Bilder von diesem Tag begleiten mich schon mein ganzes Leben. Es ist nicht die Angst, die mich begleitet. Es sind einfach nur die Bilder von diesem Mann.  Ich hätte mehr umsichtiger sein müssen, denn beim Verlassen der Wohnung hatte ich die Wohnungsschlüssel nicht mitgenommen. Die Fußmatte legte ich im Flur zwischen die Haustür damit sie nicht zufallen konnte. Doch das waren zwei Fehler.

Die Telefonzelle war nicht weit weg und ich sprach mit meiner Mutter.

Nachdem ich das Telefonat beendet hatte ging ich zurück und zog die Matte an den dafür vorgesehenen Platz. Dann geschah es, ein Mann stand hinter der Tür. Als ich ihn sah erschrak ich und wusste nicht was geschah. In mir stieg ein ungutes Gefühl empor, die Angst war da, denn der Mann stand so eigenartig in der Ecke zwischen Haus und Kellertür.

Zunächst ging ich langsam die Treppen hinauf, denn die Wohnung meiner Großeltern befand sich im ersten Stock und ich merkte das der Mann mir folgte, nicht schnell eher langsam. Ich blickte zwischen das Geländer und sah seine Beine. Die Beine erklimmen die Treppenstufen, eine nach der anderen. Aus meiner Angst wurde eine unerträgliche panische Kälte als würden mir die Adern in meinen Händen gefrieren.

Im ersten Moment wusste ich nicht was ich machen sollte. Sollte ich mich oben auf dem Dachboden verstecken? Dann überlegte ich einen Augenblick und mir fiel ein das ist ein Fehler. Der Mann würde mich dort finden und es wird für mich noch gefährlicher. An der Wohnungstür meiner Großeltern angekommen schlug ich heftig gegen diese um auf mich aufmerksam zu machen. Dabei blickte ich immer wieder zwischen dem Treppengeländer nach unten. Die Beine des Mannes kamen immer näher und näher. Warum machte mir meine Großmutter die Tür nicht auf? Vom Gefühl aus wurden die Sekunden zu Minuten. Obwohl es bei den Sekunden blieb.

Ich schlug und hämmerte gegen die Tür. Dann schrie ich. Aus der Wohnung erhörte ich vertraute Stimmen.
 Meine Großmutter wollte wissen was los ist.

Meine Oma war gerade mit dem abwaschen des Geschirrs beschäftigt. Die Angst in mir spürte ich ganz deutlich. Ich schaute wieder durch das Geländer und sah die Beine des Mannes nicht mehr, da wurde meine Angst unerträglich. Dann ging endlich die Tür auf und ich stürzte an meiner Großmutter vorbei und vergrub mich ängstlich zwischen den Armen meines Großvaters. Mit meinem Hämmern und das laute Schreien wurde der Mann in die Flucht geschlagen. Doch ich vermutete das der Mann noch im Treppenhaus sein könnte.


Natürlich wollten meine Großeltern erfahren warum ich so eine Angst hatte.
Stockend erzählte ich ihnen, was mir passiert war. Meine Oma trat ins Treppenhaus und spürte bei jedem Schritt die Angst in mir. Aber sie ging durch das Treppenhaus und durch den Keller.

Der Mann war nicht mehr da. Es dauerte eine kurze Zeit bis meine Oma wieder in der Wohnung war und bat mich mit ihr zu kommen. Am Anfang traute ich mich nicht. Am Ende hat sie mich davon überzeugt und blieb in meiner Nähe. Ich sollte so meine Angst überwinden. Die Nachbarn und der Hauseigentümer waren zwischenzeitlich in großer Aufregung und Sorge. Es wurde auch gesagt das die Fußmatte nicht zwischen die Tür gelegt werden darf. Meine Großmutter ging mit mir noch einmal durch den Keller und ich schaute in jede Ecke. Meine Oma hat alles richtig gemacht mit mir die Angst gleich vor Ort aufgearbeitet.

Was wäre aus dieser gefährlichen Situation geworden, wäre sie nicht mit mir durch das Treppenhaus und den Keller gegangen. Unmittelbar danach wurde die Polizei gerufen. Die sofort zur Stelle war. Einfühlend sprach der Polizist mit mir. Er sprach mit mir einige Worte ob mir etwas aufgefallen ist und ich sollte nachdenken. Mir ist wirklich nichts aufgefallen, aber in der Zwischenzeit ist meine aufgeregte Mutter eingetroffen.

Der Polizist meinte das es für mich das beste wäre nach hause zu fahren. Das konnte ich nun wirklich nicht verstehen. Es sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein. Später sprach meine Mutter mit mir ob mir wirklich nichts aufgefallen sei. Die Polizei hatte wohl meine Eltern darum gebeten mich noch mal zu befragen. „Turnschuhe.“ Es waren die Turnschuhe! Es hatte ca. 2 Wochen gedauert bis sich alles aufgeklärt hatte. Es war der Freund der Nachbarin. Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, dass der Freund aus dem Gefängnis Santa Fu, Hamburg Urlaub hatte und bei seiner Freundin war. Die Freundin und Nachbarin meiner Großeltern von gegenüber wusste wohl nicht das ihr Freund aus dem Gefängnis kam.  Die junge Frau hatte sich tausendmal bei mir entschuldigt. Die Nachbarin war schwanger von dem Mann. Das schlimmste für sie war wohl das sie erfahren hatte, er ist ein Kinderschänder. Mir war nichts passiert.


Früher waren Nachbarn hilfsbereiter. Heute kennen sich Nachbarn kaum noch und gehen sich lieber aus dem Weg. Grund: Die Gewaltbereitschaft ist stark angestiegen.

Wenn ein Kind in einer solchen Situation kommt und mit der Angst konfrontiert wird, kann es durchaus zu einer traumatischen Erfahrung kommen, um so schlimmer ist die Begegnung damit, und gravierend werden die Lebensumstände. Es sind die Erinnerungen, die einem im Leben durch Albträume und Ängste ständig verfolgen. Das Verhalten meiner Großmutter war der richtige Weg, um eben nicht in diese traumatische Welt abzusinken.

Ich bin durchaus in der Lage nachzuvollziehen wie ein Kind sich in einer solchen Situation fühlen muss und ich bin durchaus in der Lage nachzuvollziehen wie es Menschen ergehen muss, die mit einer solchen oder ähnlichen Situation konfrontiert werden. Menschen die hilflos in einer Ecke gedrängt werden und keinen Ausweg sehen.

Es gibt Menschen die Angst und Schrecken verbreiten können und wollen, oder es nicht wollen, aber nicht anders können. Welche Gründe sich damit in Verbindung bringen lassen ist im ersten Moment durch andere Personen nicht ersichtlich.  Gründe gibt es viele, Vermutungen ebenso, doch erst wenn es zu spät ist, wird ersichtlich welcher Grund dazu führt so zu handeln.

Es ist zu spät.

Es ist eine Entscheidung gefallen, die dazu führte das ein Mensch mit diesen traumatischen Ereignissen über Monate oder sogar Jahre mit dieser Angst leben musste. Was sollte also getan werden damit eine solche Handlung gar nicht erst passiert? Es ist wichtig nachzudenken bis das Problem erkannt ist. Dann gibt es die Möglichkeit für eine Behandlung.
Es läuft immer auf eine Gewalt aus.

Ich kann Mütter und Väter verstehen, die Angst um ihre Kinder haben. Denn gerade in dieser Zeit baut sich eine Hoffnung auf eine glückliche Familie. Alles kann passieren, doch das schlimmste für die Eltern ist gravierend zu erfahren was passiert ist. Gerade wenn es um eine Gewalt geht wirkt sich diese Gewalt auf alles und Jeden aus.

Copyright Michael Johanns

Veröffentlicht von michaelcarljohanns

Ich bin 58 Jahre und lebe in Hamburg. Ich möchte mit meinen Gedanken gerne mit meinen Berichten etwas bewegen. Aber nicht nur das über viele Jahre habe ich mir viel Menschenkenntnis ansammeln können. Viel später in mein Leben habe ich an mir festgestellt ich habe ein Talent das Schreiben. Ich Beobachte Menschen und schreibe darüber, weil ich glaube auch wenn ich und andere nicht Perfekt sind und Fehler begehen so kann ein Jeder daraus lernen nicht den gleichen Fehler in der Tat umzusetzen. Des weiteren schreibe ich Reden für bestimmte Anlässe ( Hochzeiten, Jubiläum Geburtstage usw.. Um eine richtig gute und überzeugende Reden zu schreiben brauche ich Informationen. Der oder Die jeweiligen Personen die die Reden halten bleiben in Erinnerung. und ich bin ein Perfektionist in Power Point Repräsentationen. Jemand möchte gerne sein Urlaub im Verwandten und Familienkreis bei einen schönen Abend repräsentieren der Abend wirkt interessant. Bei Interesse freue mich auf Resonanz. Danke das Ihr Die Zeit hattet mal zu sehen was ich so kann.

Ein Kommentar zu “Der Mann im Treppenhaus

  1. Leider passiert es immer wieder, egal ob Stadt oder Dorf. Etwas was für mich ein No Go ist, wenn Erwachsene, Kinder nach den Weg fragen. Kinder merken sich nicht alle Strassen, nur wo ihre Freunde vor. Eine Zeitlang wurden Kinder bei uns in der Gegend hinter her gefahren. Auf den Dorf funktioniert der Dorffunk noch. Wohl bemerkt noch, aber es ziehen immer mehr Leute aufs Dorf, die man nicht kennt

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